Zeitschrift für Niederdeutsche Familienkunde
Jahrgang 41
Herausgegeben von der Genealogischen Gesellschaft, Sitz Hamburg, e.V.
Hamburg 1966

Seite 107ff

Die Bewohner der hamburgischen Elbinsel Veddel um 1768

(Ermittelt bis Ende des 18.Jahrhunderts)

Von Otto Tafelsky

Im Manuskript dieser Ausgabe sind für die Kinder sämtliche Paten genannt. Raumersparnis zwingt uns, sie im Druck wegzulassen. Um indessen Lesern, die sich für deren Namen interessieren Gelegenheit zu geben, sie zu ermitteln, werden wir das Manuskript in unserem Archiv (unter Orten) verwahren . (Red)

Die vorliegende Arbeit bringt keine weit zurückreichende Geschlechterfolgen. Dennoch mag sie vielleicht dem einen oder anderen nützlich sein, wenn er beim Studium eines solchen Querschnitts durch wenige Generationen innerhalb eines durch das Wasser so natürlich begrenzten Bezirks überraschenderweise in der eigenen Forschung bedauerte Lücken zu schließen vermag. Es sind darum bei den Daten aus den Taufregistern auch die Namen der Taufpaten mitaufgeführt, da sie zum größten Teil dem Einwohnerkreis der Veddel oder benachbarter Elbinseln und Marschdistrikte zuzurechnen sind.

Als mit dem Abschluß des Gottorper Vertrages von 1768 die vorher zum königlich-dänischen Amte Pinneberg gehörenden Elbinseln an die Stadt Hamburg abgetreten wurden, gelangte auch das ehemalige adlige Gut Veddel unter die Territorialhoheit Hamburgs. Das Gut hatte durch Jahrhunderte mit dem Grevenhof zusammen einen Besitz gebildet, dessen Eigentümer mehrfach gewechselt hatten. Im Jahre 1735 war es in den Privatbesitz des dänischen Königs Christian VI. übergegangen, der es für 89000 rthlr. dän. Kronen von den Gebrüdern Johann Georg und Detlev Heinrich von Einsiedel erworben hatte.. Die Verwaltung lag dann in den Händen eines Generalpächters, der der Rentenkammer in Kopenhagen verantwortlich war.

Vor dem 18.Jahrhundert hatte die Besiedlung der pinnebergischen Elbinseln nur in den daraufgesetzten Gutshöfen bestanden, die teils Eigentum, teils Pachtgüter waren. Die Bevölkerung war darum sehr dünn, da sie ja nur aus den Besitzer- und Pächterfamilien und deren Gesinde bestand. Das änderte sich jedoch im Laufe des 18.Jahrhunderts, als außer der bisherigen vorwiegend betriebenen Weidewirtschaft zur Fettgräsung jütischer Ochsen, die in Hamburger Bürgerhäusern zur Einschlachtung kamen, der wachsende Milchbedarf der Großstadt das Milchgewerbe zur Blüte brachte. Die “Kuhmilcher” nahmen von den Eigentümern und Pächter Weiden in Pacht und Afterpacht. Bis an das Ende des 19.Jahrhunderts weideten auf den hamburgischen Elbinseln Hunderte von Rindern. Die Milch wurde auf den gut segelnden, spitzgatt gebauten Milchewern, die von mehreren Milchern gemeinsam unterhalten wurden, in die Stadt gebracht und dort an feste Kundschaft ausgetragen.

Die wachsenden Bedürfnisse des Hamburger Hafens haben im 18.Jahrhundert auch gewerbliche Betriebe herbeigelockt und zahlreichen Handwerkern und Tagelöhnern Arbeit gegeben. So bestanden um 1768 eine Bierbrauerei, eine Essigbrauerei, eine Windmühle, eine Bäckerei, einige Krüge und ein Fährbetrieb nach dem Stadtdeich und dem Gr. Grasbrook hinüber. Auch ein Köhlcker wird schon genannt, was auf den beginnenden Gemüsebau hindeutet, der in der Stadt seinen Absatz fand, aber auf der Veddel und den übrigen hamburgischen Elbinseln niemals die Bedeutung erlangt hat, wie in den weiter elbaufwärts gelegenen hamburgischen Marschlanden und den hannoverschen Gebieten Wilhelmsburg, Neuhof, Altenwerder und der Südhälfte Finkenwerders.

Das Gut Veddel umfaßte die Inseln Gr. Veddel, Kl. Veddel, Veddeler Müggenburg, Klütjenfeld und Grevenhof mit seinen 12 unbewohnten Werdern.

Kirchlich wurde die Veddel von der Hamburger Vorstadt St. Georg betreut, der Grevenhof jedoch von der Vorstadt St. Pauli (Hamburger Berg). Der Pächter des Klütjenfeldes hielt sich zur Stillhorner Kirche in Wilhelmsburg. Gelegentlich wurde auch die Kirche in Moorfleet in Anspruch genommen, wohin die Kaltehofe (Hove) und die Peute eingepfarrt waren.

Nach dem Übergang an Hamburg wurden die Höfe von der Kämmerei verwaltet. Die Jurisdiktion lag bei den beiden Landherren (zwei Senatoren) von Bill- und Ochsenwerder.

Die Gebäude dieser Inseln waren Eigentum der Kämmerei; auf der Gr. Veddel wurden jedoch im Laufe des 18. Jahrhunderts für sich niederlassende Gewerbetreibende und zu Wohlstand gekommene Milcher schon Plätze für den Bau eigener Häuser ausgewiesen. In den Jahren 1772/73 verkaufte die Kämmerei sogar in ihrem Besitz befindliche Katen an Private. Die Bebauung bevorzugte auf der Veddel in erster Linie den Elbdeich (Norderdeich), dann den im Osten von Süden nach Norden sich hinziehenden Sieldeich (noch heute im Straßenzug “Sieldeich” erkennbar) und endlich den Süderdeich. Auf allen übrigen zum Gute gehörenden Inseln beschränkte sich die Besiedlung auf die Pachthöfe.

Die größere Wohndichte auf der Veddel ist leider nur erfaßbar in den der Kämmerei gehörenden Gebäuden, für welche Einwohnerlisten vorliegen. Von einer nicht geringen Anzahl von Bewohnern ist die Wohnung nicht feststellbar; es muß vermutet werden, daß diese möglicherweise bei privaten Hausbesitzern untergeschlüpft sind, was dann nicht aktenkundig geworden ist. Der Veddeler Gutshof existierte damals nicht mehr als Wirtschaftshof, da die Ländereien an mehrere Pächter vergeben waren, die ihre eigenen Ställe und Scheunen benutzten. Die noch vorhandenen Hofgebäude wurden von der Kämmerei vermietet.

Es werden in folgendem die Häuser der Reihe nach mit ihren Bewohnern und den ermittelten Daten aufgeführt, und zwar im Westen des Elbdeichs beginnend und dem Deichring folgend. Anschließend werden die Bewohner der dazugehörigen Pachthöfe der anderen Inseln namhaft gemacht. Den Beschluß bilden die Familien, deren Wohnung nicht feststellbarwar, die aber aus Akten und Kirchenbüchern als Bewohner oder Pächter nachweisbar sind.

Seite 114ff

Einwohner der Veddel um 1768, deren Wohnung unbekannt

(Alphabetisch geordnet)

Friedrich Grohn (Gron, Gronn, Kron)  Catharina Loinigs

Kinder: Anna Maria Magd. ~~ 17.XII.1766
Gottfried ~~ 12.III.1769
Cath. Sophia Martha ~~ 22.XII.1771
Magaretha ~~ 28.VIII.1774
Christian Hinrich ~~ 16.VIII.1778

Der Sohn Gottfried Grohn 6.IX.1791 Anna Magd. Krull aus “Zöhren, Amt Bortsholm” (Sören, Amt Bordesholm)